Mit Krankheit umgehen: Das bedeutet Schreiben für mich
- Greta Brenken
- 18. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Apr.
Es gibt Tage, an denen mein Körper enger wird als die Welt um mich herum, da merke ich wie sich mein Radius verschiebt, ohne dass ich etwas dagegen tun kann.
An solchen Tagen wird vieles leiser, begrenzter und gleichzeitig lauter in mir, weil Gedanken keinen richtigen Ort mehr finden und sich anfangen zu stauen, sich übereinanderlegen und aus mir herauswollen, ohne dass ich es beeinflussen kann.
Schreiben ist der Ort, an dem ich alles einfach fließen lassen kann.
Wenn ich schreibe, ist es das erste Mal, dass etwas nicht nur in mir stattfindet.
Dass Gedanken nicht mehr kreisen, sondern irgendwo ankommen, auch wenn sie nicht fertig sind, auch wenn sie sich widersprechen oder keinen klaren Anfang haben.
Ich muss sie nicht ordnen. Ich muss sie nicht erklären. Ich muss sie nicht richtig machen. Sie dürfen einfach sein.
Mein Körper tritt einen Schritt zurück, nicht weil er plötzlich einfacher wird, sondern weil er in diesem Moment nicht alles bestimmt. Ich kann Gedanken zu Ende denken, ohne dass sie unterbrochen werden, kann Dinge aussprechen, für die es im Alltag keinen passenden Moment gibt. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob das, was ich fühle und schreibe, verurteilt wird.
Ich habe nicht angefangen zu schreiben, weil ich etwas Besonderes erzählen wollte, sondern weil ich einen Weg gebraucht habe, mit all dem umzugehen, was sich nicht einfach ablegen lässt. Schreiben wurde zu meinem Ventil, das nichts beschönigt, aber Geschehnisse ruhiger werden lässt.
Vieles von dem, was ich festhalte, sind keine großen Geschichten. Es sind diese leisen Verschiebungen im Alltag, Momente, die von außen unscheinbar wirken und sich innen trotzdem verändern, weil sie zeigen, dass sich Wahrnehmung nicht immer deckt, dass Dinge anders ankommen, als sie gemeint sind.
Im Schreiben dürfen all die Gedanken genau so bleiben, ohne dass ich sie glätten oder erklären muss.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem etwas Leichtes entsteht.
Nicht, weil alles einfacher wird, sondern weil ich nicht mehr alles mit mir selber ausmachen muss.
Schreiben gibt mir Frieden. Es nimmt mir nicht die Unsicherheit, aber es sorgt dafür, dass ich mich darin nicht verliere.
Und manchmal reicht genau das, um weiterzugehen, ohne dass ich schon wissen muss, wie.
Ich schreibe nicht, weil ich Antworten habe.
Ich schreibe, weil ich diesen Halt brauche.
Und weil dieser Raum, der entsteht, mich jedes Mal ein kleines Stück weiterträgt.
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