top of page
  • Instagram
  • LinkedIn

Barrierefreiheit im Alltag verstehen: Warum sie viel früher beginnt, als wir denken

  • Greta Brenken
  • 13. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Apr.

Ich habe lange gedacht, Barrierefreiheit beginnt dort, wo ich sie sehen kann.

Bei Türen, die breiter sind. Bei Rampen. Bei Aufzügen. Bei technischen Lösungen, die sichtbar machen, dass etwas angepasst wurde.

Dinge, die Menschen einbauen, markieren oder erklären können, damit sie „funktionieren“.

Aber je länger ich meinen eigenen Alltag erlebe, desto mehr realisiere ich, dass das falsch war.

Barrierefreiheit beginnt nicht dort, wo etwas sichtbar wird.

Sondern dort, wo etwas selbstverständlich vorausgesetzt wird, ohne zu prüfen, ob es für alle gilt.

Es sind oft keine großen, dramatischen Situationen.

Es sind die kleinen Momente, die kaum auffallen, wenn Menschen nicht betroffen sind.

Ein Gespräch, das schneller wird, ohne dass jemand merkt, dass andere längst ausgestiegen sind. Informationen, die einfach weiterfließen, obwohl sie gerade erst angekommen sind. Augenblicke, in denen du merkst, dass du zwar im Raum bist, aber nicht im gleichen Tempo, nicht im gleichen Zugang, nicht in der gleichen Selbstverständlichkeit.

Und während außen alles normal wirkt, passiert innen etwas anderes: ständiges Anpassen, Sortieren, Nachkommen.

Ich merke das besonders in Kommunikation.

In Gesprächen, in denen niemand innehält. In Erklärungen, die davon ausgehen, dass Verständnis automatisch entsteht. In Momenten, in denen nicht geprüft wird, ob alle noch dabei sind, sondern einfach weitergemacht wird.

Und genau dort entsteht eine Form von Unsichtbarkeit, die schwer zu greifen ist.

Nicht laut. Nicht offensichtlich. Aber dauerhaft spürbar.

Barrierefreiheit im Alltag bedeutet für mich deshalb nicht nur Zugang im physischen Sinn.

Sondern Anschlussfähigkeit.

Die Frage, ob eine Situation so gestaltet ist, dass mehr als eine Wahrnehmung gleichzeitig Platz hat, ohne dass eine davon sich ständig anpassen muss, um mitzuhalten.

Und genau hier entsteht oft ein blinder Fleck.

Nicht, weil Menschen gegen Barrierefreiheit sind.

Sondern weil sie erst bemerkt wird, wenn sie fehlt.

Und wenn sie fehlt, ist es oft schon zu spät, weil die betroffene Person dann bereits draußen steht, während innen weitergesprochen wird.

Ich erlebe das auch in digitalen Räumen sehr deutlich.

In Social Media Posts, die voraussetzen, dass Inhalte in Sekunden verstanden werden. In "Ich habe heute keine Zeit für Untertitel"-Videos. In Texten, die so schnell und wenig kontrastreich sind, dass sie nur für eine bestimmte Art des Aufnehmens gemacht sind.

Und wenn du nicht in dieses Tempo passt, entsteht kein Zugang, sondern Abstand.

Für mich ist das der Moment, an dem Barrierefreiheit oft endet, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Ich glaube nicht, dass die Lösung darin liegt, alles zu verlangsamen oder komplizierter zu machen.

Sondern früher zu fragen.

Nicht erst dann, wenn etwas nicht funktioniert.

Sondern bevor entschieden wird, wie etwas gestaltet wird. Indem Menschen einbezogen sind, die diese Realität leben.

Denn Barrierefreiheit ist selten eine einzelne Maßnahme.

Sie ist eine Haltung im Vorfeld.

Eine Entscheidung darüber, wer mitgedacht wird, bevor etwas überhaupt existiert.


 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


Farbfoto einer jungen Frau mit schulterlangen Haaren, die in die Kamera lächelt. Sie trägt eine Strickjacke mit hellblau-weißem Rautenmuster und mehrere Ketten. Vor ihr liegt ein orangefarbener Stift und ein schwarzes IPad auf dem Tisch.

Lass uns sprechen

E-Mail: gretabrenken@web.de

*Mit dem Absenden des Formulars erkläre ich mich mit der Verarbeitung meiner Daten gemäß der Datenschutzerklärung einverstanden.

 

  • Linkedin
  • Instagram

Kontaktiere mich

© 2025 Greta Brenken. Erstellt mit Wix.com

bottom of page