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Wie barrierefrei ist eine Veranstaltung über Barrierefreiheit?

Greta Brenken
11. Sept.
3 Min. Lesezeit

Gestern hat in Köln eine Pressekonferenz zum Thema "Barrierefreiheit" stattgefunden, bei der ein Projekt der Stadt Köln und dem Veranstalter Rausgegangen GmbH vorgestellt wurde.

Ich habe diese Ankündigung auf Instagram gesehen und war direkt interessiert daran, hinzugehen. Denn wenn es eine Veranstaltung zu dem Thema ist, ist diese ja sicher auch zugänglich für alle Menschen mit Behinderungen, oder? Ich besuchte daher die Website, um ein Ticket zu buchen und musste überrascht feststellen, dass die Veranstaltung unter anderem für Menschen mit einer Hörbehinderung nicht zugänglich sein würde. EIne Veranstaltung zu diesem Thema und selbst dann können nicht alle teilhaben? Wie ironisch. Also wusste ich nicht so recht, ob ich hingehe und das unterstütze, wenn ich nichts verstehe. Nach Gesprächen mit unterschiedlichen Menschen, die mir einerseits zustimmten und trotzdem auch sagten, dass es ein Zeichen ist, trotzdem hinzugehen, habe ich mich dafür entschieden.


Beim Veranstaltungsort angekommen, wurde mir schnell wieder bewusst, wie unterschiedlich die Bedürfnisse behinderter Menschen sind. Denn Behinderung ist nicht nur Rollstuhl. Barrierefreiheit bedeutet auch Untertitel, gute Kontraste, verständliche beziehungsweise Leichte Sprache, Orientierung, Rückzugsmöglichkeiten und vieles mehr. Und manche Barrieren sieht man überhaupt nicht auf den ersten Blick.


Während der Vorstellung des Projekts wurde betont, wie weit Köln schon im Bereich Barrierefreiheit sei (kann ich nicht bestätigen) und wie sehr ihnen Barrierefreiheit und der Wunsch, dass alle teilhaben können, am Herzen liegt. Deswegen gäbe es nun dieses Tool, damit Menschen schon vor einer Veranstaltung nachsehen können, ob diese für sie zugänglich ist. Ich konnte nur schwer ruhig auf meinem Stuhl sitzen, da das alles so gar nicht mit meinen Lebensrealitätsbeobachtungen übereinstimmte.


Am Ende war Zeit für Fragen und ich habe die ganze Zeit überlegt, ob ich meine Perspektive vor allen vorstellen soll. Es fielen natürlich die typischen Floskeln darüber, wie toll das wäre und einige stellten Fragen. Und ganz spontan meldete ich mich dann und wurde als Letzte drangenommen. Ich fragte: "Darf ich auch eine Rückmeldung geben und keine Frage stellen?" Mir wurde das Go gegeben und so sprudelten die Worte vor der Presse, den Menschen im Publikum und Gremium aus mir heraus. Ich sagte: "Ich komme selber beruflich aus dem Bereich und noch viel wichtiger ist aber, dass ich selbst betroffen bin. Ich habe unter anderem eine Hörbehinderung und muss schon sagen, dass ich enttäuscht war, als ich gesehen habe, dass die Teilhabe für Menschen mit Hörbehinderung nicht sichergestellt wurde. Es gibt keine Untertitel und der Kontrast in der Präsentation ist sehr schlecht. Das sind Dinge, die man heutzutage mit Hilfe von KI leicht umsetzen kann. Und ich bin heute trotzdem hier aus Trotz, weil ich nicht akzeptieren kann und möchte, dass selbst auf so einer Veranstaltung nicht alle teilhaben können, aber ich musste selber mal wieder sicherstellen, dass ich teilhaben kann." Stille. Und dann Applaus. Später kamen einige Leute und bedankten sich dafür, dass ich das gesagt habe.


Ich hatte das Gefühl, dass vor allem mitgedacht wurde, dass Menschen im Rollstuhl teilhaben können. Aber Behinderung ist so viel mehr als im Rollstuhl zu sitzen.

Und genau das hat mich an diesem Abend beschäftigt. Barrierefreiheit wird oft erst dann konkret, wenn die Bedürfnisse einer bestimmten Person bekannt sind. Aber eigentlich sollte sie von Anfang an vielfältiger gedacht werden. Denn Menschen mit Behinderungen sind keine homogene Gruppe und Barrierefreiheit sieht nicht für alle gleich aus.

Gerade bei einer Veranstaltung, die sich genau diesem Thema widmet, hätte ich mir gewünscht, dass das nicht erst von einer Besucherin aus dem Publikum angesprochen werden muss.

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Greta sitzt vor einer weißen Wand und blivkt in die Kamera. Sie hält einen Stift über einem Notizbuch und trägt eine Jacke mit Rauten sowie ihre Haare offen.

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