44 Quadratmeter
- Greta Brenken
- 9. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli
Vor vier Jahren bin ich ausgezogen. 44 Quadratmeter mit Balkon.
In einer Zeit, in der wieder mehrere Operationen anstanden, wollte ich vor allem eins: meinen eigenen Raum.
Und auch wenn ich zwischendurch immer wieder längere Zeitintervalle nicht dort sein konnte und kann, freue ich mich jedes Mal, wieder zurückkehren zu können.
Diese 44 Quadratmeter sind eine Konstante in meinem Leben.
Zwar eine chaotische und sehr bunte, aber eine, die mir gehört. Eine, bei der es keinen Kontrollverlust gibt.
Vielleicht ist es komisch, eine Wohnung als Konstante zu bezeichnen. Immerhin bin ich selbst die Person, die am wenigsten konstant dort ist.
Aber vielleicht liegt genau darin der Punkt.
Egal, wie lange ich weg bin: Sie bleibt dieselbe.
Manchmal komme ich nach Wochen zurück und die Wohnung sieht genau so aus, wie ich sie verlassen habe. Die Tasse steht noch da, die Decke liegt schief auf dem Sofa und mein Kühlschrank begrüßt mich mit seinem lauten Brummen.
Früher hätte mich das vielleicht gestresst. Heute ist es fast beruhigend.
Es bedeutet: Hier ist nichts passiert, während ich weg war. Sie hat einfach gewartet.
In diesen 44 Quadratmetern liegt meine Wäsche manchmal tagelang in der Ecke. Mein Geschirr steht oft viel zu lange in der Spüle und den Duschabfluss reinige ich seltener, als ich sollte.
Meine Nachbarn, ein höfliches und hilfsbereites älteres Paar, bekommen wahrscheinlich täglich die Krise, wenn wieder dieselbe Musik-Playlist die Wände beben lässt.
Aber ich liebe es. Meinen eigenen Raum. Mein Chaos.
Kein Druck. Kein „in einen Standard passen“. Kein 0815-Beige.
Wenn ich mich mit einem Gegenstand aus meiner Wohnung beschreiben müsste, wäre es mein Kühlschrank.
Er ist hellblau, retro und extrem laut.

Das war übrigens das erste Möbelstück, das ich mir für die Wohnung gekauft habe.
Meine Monstera Ralf lebt leider nicht mehr. Sie ist am Hitzetod gestorben. Aber ich habe eigentlich wirklich einen grünen Daumen, auch wenn das hier überhaupt nicht so wirkt.
Über meinem Bett hängt ein Meerbild aus meiner Wahlheimat Spanien.
Ich stehe jeden Morgen einen Ticken glücklicher auf, seit Torredembarra mein erster Gedanke am Morgen ist.
Das erste Aufschließen nach dem Krankenhaus, in dem alles steril riecht, aussieht und schmeckt, ist jedes Mal ein neuer Glitzer.
Meistens mache ich dann genau das Gleiche: Fenster auf. Schuhe aus. Kopfhörer an.
Es sind kleine Dinge, aber nach Tagen, in denen mein Alltag von anderen Menschen, Zeiten und Entscheidungen bestimmt wurde, fühlt es sich an wie ein Stück zurückgewonnener Normalität.
Meine Wohnung kennt mich an guten Tagen und an den Tagen, an denen ich einfach nur auf dem Sofa liegen kann. Sie erwartet nichts von mir. Sie ist nicht perfekt.
Sie ist viel zu warm, leider fast immer unaufgeräumt und wahrscheinlich würde ein Einrichtungsmagazin nicht viel mit ihr anfangen können, weil sie farbenüberflutet ist.
Aber sie ist meine.
Und neben all den Orten, an denen ich nicht selbst bestimmen kann, was passiert, sind 44 Quadratmeter manchmal ziemlich viel Freiheit.



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