Was Kommunikation mit Hörbehinderung schwierig macht
- Greta Brenken
- 15. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Apr.
Kommunikation ist für den Großteil der Gesellschaft selbstverständlich. Wir sprechen miteinander, stellen Fragen, antworten, lachen zwischendurch. Es macht unser Miteinander aus. Es führt uns zusammen. Gespräche entstehen einfach, ohne groß (über das Drumherum) nachzudenken.
Bei mir als Mensch mit einer Hörbehinderung und zwei Hirnstammimplantaten sieht das anders aus. Das liegt vor allem daran, dass viele Dinge, die für andere nebensächlich wirken, plötzlich entscheidend werden. Sehe ich das Mundbild? Sitzt die Person mit dem Rücken zu einem Fenster? Trägt der Mann einen Bart? Hat der Raum eine gute Akustik?
Viele dieser Mini-Momente entscheiden darüber, ob Kommunikation für mich funktioniert oder ob sie an mir vorbeigeht.
Kommunikation mit Hörbehinderung beginnt oft mit Missverständnissen
Wenn Menschen erfahren, dass ich eine Hörbehinderung habe, reagieren sie oft ähnlich. Manche werden sehr laut. Andere sprechen besonders langsam und/oder überdeutlich. Wieder andere sind unsicher und vermeiden Gespräche.
Das zeigt mir vor allem, wie wenig wir als Gesellschaft für Behinderungen wie diese sensibilisiert sind. Denn Hörbehinderung bedeutet nicht für alle dasselbe. Kommunikation bei jeder betroffenen Person sieht anders aus.
Die kleinen Dinge, die Kommunikation verändern
Ein Beispiel:
Wenn jemand beim Sprechen den Blickkontakt verliert, während des Gesprächs etwas anderes macht oder wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen fallen diese Dinge Menschen ohne Hörbehinderung kaum auf.
Für mich können sie den Unterschied machen zwischen:
„Ich habe alles verstanden“ und „Ich verstehe nichts.“
Oft sind es genau diese kleinen Situationen, in denen Kommunikation plötzlich anstrengend wird.
Warum Disability Awareness auch Kommunikation betrifft
Wenn wir über Disability Awareness sprechen, denken viele zuerst an bauliche Barrieren.
Rampen. Aufzüge. Zugängliche Gebäude.
Kommunikation wird dabei erstaunlich selten mitgedacht.
Dabei entscheidet sie in vielen Situationen darüber, ob Menschen wirklich teilhaben können.
Ein Gespräch beim Arzt. Eine Veranstaltung. Ein Workshop. Ein Meeting.
Kommunikation kann Türen öffnen oder unbewusst schließen.
Genau deshalb ist sie ein wichtiger Teil von Inklusion.
Warum ich mich mit inklusiver Kommunikation beschäftige
Meine Perspektive auf Kommunikation ist nicht theoretisch entstanden.
Sie kommt aus meinem Alltag. Sie resultiert aus meiner Hörbehinderung.
Aus Situationen, in denen Gespräche plötzlich schwierig wurden. Aus Momenten, in denen ich erklären musste, was eigentlich helfen würde. Und aus Erfahrungen, in denen ich gemerkt habe, wie viel sich verändert, wenn Menschen anfangen zuzuhören.
Heute beschäftige ich mich genau mit diesen Fragen in meiner Arbeit.
Ich schreibe Inhalte, entwickle Content und begleite Organisationen dabei, Kommunikation inklusiver zu gestalten.
Denn oft braucht es gar keine komplizierten Lösungen.
Manchmal reicht ein Perspektivwechsel.
Kommunikation mit Hörbehinderung bedeutet vor allem eins: zuhören
Viele Menschen haben Angst, im Umgang mit Behinderung etwas falsch zu machen.
Dabei beginnt gute Kommunikation meistens mit einer einfachen Haltung:
zuhören.

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