Disability Awareness: Wir sehen nur, was wir erwarten
- Greta Brenken
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Behinderung gehört zur Realität vieler Menschen. Trotzdem bleibt sie in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens erstaunlich unsichtbar.
Ich sehe sie selten in Werbung, selten in Medien, selten in Geschichten über Alltag, Arbeit oder Gesellschaft.
Disability Awareness beginnt genau dort: bei der Erkenntnis, dass wir vieles, was jeden Tag passiert, gar nicht wahrnehmen.
Unsichtbarkeit ist ein Alltagsthema
Die Unsichtbarkeit ist nicht absichtlich. Sie ist subtil.
In Meetings werden Stimmen übergangen, die eigentlich gefragt werden sollten.
Inhalte in Medien spiegeln fast ausschließlich die Perspektive der Mehrheit wider.
Barrieren in der Planung erscheinen logisch, bis man selbst auf sie trifft.
Viele Menschen bemerken erst, dass sie eine Barriere übersehen haben, wenn sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen, für den diese kleine Hürde plötzlich alles verändert.
Was bleibt ungesagt
Disability Awareness ist oft auf Aktionen oder einzelne Momente reduziert. Ein Post, ein Tag, eine Kampagne. Sichtbarkeit wird punktuell erzeugt und dann verschwindet sie wieder.
Was viel seltener passiert: dass wir genau hinsehen, was alltäglich passiert, wie Perspektiven in Prozessen untergehen und welche kleinen Mechanismen Menschen ausgrenzen, ohne dass wir es merken.
Genau das bleibt oft ungesagt.
Perspektiven, die hängenbleiben
Wer über Disability Awareness spricht, sollte nicht nur auf Worte achten. Es geht um Erfahrung. Um Perspektiven, die sonst nicht gehört werden.
Wenn wir zuhören, entdecken wir Alltagssituationen, die uns vorher unsichtbar waren:
ein Hinweis auf Barrierefreiheit, der ignoriert wird
ein Text, der bestimmte Menschen ausschließt, obwohl niemand es beabsichtigt
kleine Strukturen, die immer wieder Hürden erzeugen
All das prägt die Erfahrung von Menschen mit Behinderung oft weit stärker als jede Kampagne oder jeder einzelne Beitrag.
Fazit: Disability Awareness entsteht beim Hinsehen
Disability Awareness ist kein einzelner Tag. Sie entsteht nicht aus einem Post oder einem Slogan.
Sie beginnt dort, wo wir uns bewusst machen: Wir sehen nur, was wir erwarten. Und genau dort liegt der Schlüssel: nicht nur für Verständnis, sondern für echte Veränderung.
Die Frage ist nicht: „Was tun wir am Aktionstag?“sondern: „Was übersehen wir jeden Tag?“


Kommentare